Sonderausstellung: Brasilianische Reise 1817-1820

Sonderausstellung: Brasilianische Reise 1817-1820

BRASILIANISCHE REISE 1817-1820

Carl Friedrich von Martius, Johann Baptist von Spix, Naturforscher aus Franken

Die Fürstliche Bibliothek Corvey verfügt über einen ungewöhnlichen Buchbestand: es sind die nahezu vollständigen und prachtvoll ausgestatteten Werke der fränkischen Naturforscher Carl Friedrich von Martius und Johann Baptist von Spix. Beide sind in der breiten Bevölkerung nahezu unbekannt geblieben, nicht aber in der entsprechenden Fachwelt. Immerhin stehen beide ganz in der Tradition ihres Zeitgenossen Alexander von Humboldt und müssen ihre Reisen mit den umfangreichen Forschungsergebnissen und Publikationen keineswegs vor denen ihres weltbekannten Kollegen aus Berlin verstecken.

Johann Baptist Ritter von Spix wurde am 9. Februar 1781 in Höchstadt an der Aisch geboren und starb am 13. Mai 1826 in München. Spix studierte zunächst in Bamberg und Würzburg Philosophie und Theologie, wandte sich aber schon bald der Zoologie zu, die fortan der Mittelpunkt seiner Forschungen und mithin seines ganzen Lebens werden sollte.

Sein Mitstreiter und Gefährte Carl Friedrich von Martius wurde am 17. April 1794 in Erlangen geboren und starb am 13. Dezember 1868 ebenfalls in München. Als Sohn eines Apothekers nahm er zunächst das Studium der Medizin in Erlangen auf und wandte sich angeregt durch seine Kommilitonen bald der Botanik zu. Im Jahre 1813 promovierte er zum Doktor der Naturwissenschaften und veröffentlichte sein erstes botanisches Werk, die Flora cryptogamica Erlangensis, eine Beschreibung der Pflanzenwelt in und um Erlangen, die in der Fachwelt große Aufmerksamkeit erregte.Im Auftrag von König Maximilian I. Joseph reisten Martius und Spix von 1817 bis 1820 durch das noch weitgehend unerforschte Brasilien und erreichten auch das unwegsame Amazonasgebiet. Nach ihrer Rückkehr veröffentlichten sie ihre Forschungsergebnisse in umfangreichen Werken.

Auf ihrer Expedition legten die Naturforscher aus Franken beachtliche Entfernungen zurück. Brasilien war immerhin um 1820 noch eine fremde Welt zwischen Stechmücken, korrupten Diamantenschürfern, Fieberanfällen und Menschenhändlern. Ihre beschwerlichen Wegstrecken bewältigten sie ohne genaues Kartenmaterial, aber immer mit Frack und Zylinder. Die Vorgehensweise war unkonventionell, Papageien wurden gefangen und präpariert. Aufgezeichnet und beschrieben wurde alles, was sie entdeckten, die Pflanzen- und Tierwelt, die Bewohner des Urwaldes mit ihren Gebräuchen und Gesängen.

Nach ihrer Rückkehr begannen Martius und Spix ihre Forschungsreise nach Brasilien in einem umfassenden wissenschaftlichen Werk aufzuarbeiten. Zwischen 1823 und 1831 publizierten sie ihren Bericht in drei Bänden und einem Atlas mit eindrucksvollen Abbildungen: Reise in Brasilien mit insgesamt fast 1.500 Seiten. In der Verbindung von ganzheitlich-wissenschaftlicher Annäherung an die zu erforschenden Kulturen und ihrer ästhetischen Betrachtung erreichte das Gemeinschaftswerk der beiden Forscher Humboldt’sches Format, so das Urteil der wissenschaftlichen Fachwelt der Zeit.

Im Geburtshaus von Johann Baptist von Spix in Höchstadt an der Aisch wurde unlängst ein sehenswertes Museum eingerichtet, in dem der Geist des berühmtesten Sohnes der Stadt fast greifbar ist. Spektakulär war auch die erst kürzlich erfolgte Auswilderung des „Spix-Ara“ (Ara hyacinthinus) in Brasilien, einer von Spix entdeckten und beschriebenen, nahezu ausgestorbenen Papageien-Art.

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Fürstliche Bibliothek Corvey

bis 1. November 2021

Carl Friedrich von Martius

Johann Baptist von Spix

Naturforscher aus Franken