VIA NOVA Lesung Martina Gedeck & Musik
Freitag 4. September 2026 19.30 Uhr, Schloss Corvey, Kaisersaal
Wir brauchen irgendein Morgen
Inszenierte Lesung
Martina Gedeck: Toni Morrison, Beloved
Musik
Beloved Concert 2026, Uraufführung
Nhlanhla Mahlangu, Künstlerische Leitung, Komposition und Gesang
Tlale Makhene, Komposition, Perkussion
Song and Dance Work
Tshepang Mofokeng, Sopran
Mapule Moloi, Mezzosopran
Xolisile Bongwana, Tenor
Mduduzi Kheswa, Klavier
Dalisu Ndlazi, Kontrabass
Mit Pause
In den Romanen der Nobelpreisträgerin Toni Morrison bekommen die Übersehenen und Ausgegrenzten eine Bühne, beschrieben in eindringlich schöner Sprache und Feingefühl, so dass sie nie die Würde und Menschlichkeit verlieren. ‹Beloved› beginnt kurz nach dem Bürgerkrieg (1861 – 1865). Sethe, eine ehemalige Sklavin, lebt mit ihrer Tochter Denver in einem Haus, das zu einem Geisterhaus geworden ist. Hier spukt der Geist ihrer erstgeborenen Tochter und vertreibt alles Lebendige. Das Kleinkind, dessen Tod Sethe nicht verwinden kann, starb namenlos – Beloved stand auf dem Grabstein. Als ein alter Bekannter, Paul D, zu Sethe findet, bricht sich der Strom der Erinnerungen Bahn. Wer ist Beloved? Die Tochter? Die Schwester? Die eigene Stimme? Die fabelhafte Martina Gedeck verkörpert sie alle und führt hinein in die atemberaubende Sprache, die lebhaften und schmerzlichen Schilderungen, die sinnliche Atmosphäre. ‹Beloved› ist ein Schlüsseltext, wie die Geister der Vergangenheit die Gegenwart heimsuchen.
Das Beloved Concert 2026 lässt sich von diesem Meisterwerk inspirieren und verwebt es mit der Geschichte Südafrikas. So wie Toni Morrison die unausgesprochenen Wahrheiten der amerikanischen Sklaverei ans Licht brachte, setzen sich die Südafrikaner und Südafrikanerinnen weiterhin mit den Geistern der Apartheid, des Kolonialismus und der Enteignung auseinander. Sprachen wurden zum Schweigen gebracht und Stimmen ausgelöscht. ‹Durch die Musik›, so Nhlanhla Mahlangu, ‹haben wir stets Wege gefunden, zu überleben, uns zu erinnern und zu heilen›. Die Aufführung ist ein Requiem und zelebriert zugleich Freude, Schönheit und Überleben – Zukunft. Alte Freiheitslieder werden neu interpretiert, unterlegt mit afrikanischen Rhythmen, amerikanischen Spirituals und zeitgenössischen Klangwelten. Nhlanhla Mahlangu ist ein visionärer Theatermacher, Komponist und Performer, seine außergewöhnlichen Arbeiten wurden in ganz Afrika und weltweit gezeigt. Er arbeitet so wie Tlale Makhene, ‹The Groove Master›, u. a. mit William Kentridge zusammen. Es entsteht ein Dialog zwischen Morrisons Amerika und Südafrika, zwischen Schmerz und Schönheit, Erinnerung und Hoffnung – oder, wie es Paul D am Ende des Romans sagt: ‹Sethe, du und ich, wir haben mehr Gestern als sonst wer. Wir brauchen irgendein Morgen.›
Eintritt: 44 / 38 / 32 €, Carte blanche
Per E-Mail: [vianova@corvey.de]




