VIA NOVA Lesung Luise von Stein, Hanno Koffler &Konzert
Samstag 5. September 2026 19.30 Uhr, Schloss Corvey, Kaisersaal
So wühlt der Schmerz in mir
Lesung
Luise von Stein und Hanno Koffler: Requiem für eine romantische Frau, Die Geschichte von Auguste Bußmann und Clemens Brentano
Konzert
Fabian Müller, Klavier
Johannes Brahms (1833 – 1897) Intermezzo
Es-Dur op. 117 Nr. 1
Franz Schubert (1797 – 1825) 3 Klavierstücke D 946
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) Sonate für Klavier
Nr. 23 f-Moll op. 57 ‹Appassionata›
Mit Pause
Im Sommer 1807 stolperte Clemens Brentano in die extremste Liebesgeschichte seines Lebens hinein. Die Frau, die sich ihm, knapp siebzehn Jahre alt, ‹mit erschrecklicher Gewalt› an den Hals warf, hieß Auguste Bußmann und war die Nichte eines maßgeblichen Bankiers der Freien Reichsstadt. ‹Clemens hat die Bußmann entführt. Diesen Morgen haben wir es entdeckt›, wird die junge ausgezeichnete Theaterschauspielerin Luise von Stein eine Mitteilung von Brentanos Schwester lesen. Aus dem skandalösen Abenteuer wurde die zweite Ehe des Dichters. Eine Amour fou, wie es sie so vorher noch nicht gegeben hat. ‹Das Ich in seiner vollen Größe, und das Du. Eine Emphase war das, eine Erwartung, ein Glücksverlangen, von dem sich frühere Generationen nichts hatten träumen lassen›, schreibt Hans Magnus Enzensberger in seinem fiktiven Brief an Auguste. Aus der Ehe wird ein Kampf bis aufs Messer. ‹Warum thust du mir solche Qual an›, fragt sie. Wie wird diese junge Frau von ihren Zeitgenossen diffamiert, sie alle bemitleiden den armen Brentano. Hanno Koffler liest von diesen Anfeindungen: ‹Diese Bestie ruiniert mich› oder ‹Immer, immer das elende schändliche Weib›. Auguste Bußmann war entschlossen, im täglichen Leben zu verwirklichen, was die Romantiker in Gedichten und Romanen, Briefen und Blütenstaubfragmenten verkündet hatten; sie wollte nicht wahrhaben, dass zwischen Liebe und Literatur, Kunst und Leben, Utopie und bürgerlichem Alltag nach wie vor ein Abgrund lag. War sie am Ende, im Kreis der Arnims und der Savignys, der Grimms und Brentanos, die einzige wirkliche Romantikerin?
Ergänzt wird die Lesung durch das Klavierspiel von Fabian Müller, einem der bemerkenswertesten Pianisten seiner Generation. Besonders als Beethoven-Interpret hat er sich profiliert und spielte auf Einladung von Daniel Barenboim alle Klaviersonaten Beethovens an acht Abenden im Berliner Pierre Boulez Saal. ‹Fast jeder Takt von Beethoven ist Ausdruck von dem Wunsch, die Welt besser zu machen, oder wenigstens zu sagen, dass die Welt gut sein kann›, sagt Fabian Müller. Ja, die Welt könnte besser sein. Der Musikwissenschaftler Jürgen Uhde hat die ‹Appassionata›, die ihren Beinamen erst nach Beethovens Tod von einem Verleger erhielt, als eine ‹Tragödie› bezeichnet. Es werde ‹die Geschichte eines großen Willens geschrieben, der die bestehenden Verhältnisse verändern möchte›; der ‹Kampf› führe aber ‹nicht zur Befreiung›. In diesem Sinne endet das Werk, anders als die in denselben Jahren entstandene fünfte Sinfonie, nicht in Dur, sondern in Moll. Johannes Brahms nannte seine späten Intermezzi ‹Es sind Wiegenlieder meines Schmerzes›. Schuberts Klavierstücke gehören zu den reifsten Zeugnissen seines späten Klavierschaffens. Sie entstanden wenige Monate vor seinem Tod und verbinden formale Freiheit mit melodischer Klarheit, innigem Ausdruck und pianistischem Glanz.
Eintritt: 44 / 38 / 32 €, Tageskarte 75 / 60 €
Per E-Mail: [vianova@corvey.de]



