VIA NOVA Lesung Michael Maertens & Nasmé Ensemble
Sonntag 30. August 2026, 11.00 Uhr, Schloss Corvey, Kaisersaal
Was zählt ist, dass wir frei sind!
Korrespondenz-Lesung
Marcel Beyer: Einführung
Michael Maertens: Jonas Mekas, Ich hatte keinen Ort / Die Semeniskiai-Idyllen
Konzert
Nasmé Ensemble
Michael Barenboim, Violine
Hisham Khoury, Violine
Katia Abdel Kader, Viola
Ibrahim Alshaikh, Klarinette
Mohamed Alshaikh, Klavier
Antonín Dvořák (1841 – 1902) Terzetto in C-Dur op. 74
Amin Nasser (1935) ‹Moment of Truth› / ‹Dance of the Red Pussy Cat›
Robert Schumann, Märchenerzählungen op. 132
Béla Bartók (1881 – 1945) ‹Kontraste›
für Violine, Klarinette und Klavier, Sz. 111
Mit Pause
Marcel Beyer, Lyriker, Romanautor und Essayist, hat für diese Matinee die frühen Tagebücher und Gedichte von Jonas Mekas ausgewählt, die in besonderer Weise von Menschenwürde sprechen. Jonas Mekas arbeitete mit Andy Warhol, George Maciunas, John Lennon und vielen anderen zusammen. In New York prägte er das New American Cinema, aber zum Filmemachen kam er relativ spät. Ende Juli 1944 verlassen der 21jährige Jonas Mekas und sein jüngerer Bruder Adolfas Litauen, sie wollen nach Wien und dann weiter in die Schweiz. In ihrer Naivität haben sie nicht einmal an Proviant gedacht und im Unterschied zu den anderen Reisenden, die begriffen haben, dass sie keine Reisenden mehr sind, sie sind alle Flüchtende, tragen die Brüder auch keinen Hausrat, keine Wertsachen mit sich, sie haben Bücher dabei. Sie werden nicht in Wien ankommen, und das eben begonnene Tagebuch von Jonas Mekas wird kein Reisetagebuch sein, es wird das Tagebuch seines Abschieds von Europa. Und es wird ein deutsches Tagebuch, vom Zwangsarbeitslager in Elmshorn hin zu den nach Ende des Krieges von den Alliierten eingerichteten Camps für Displaced Persons in Wiesbaden und in Kassel. Fünf Jahre später, 1949, kommen die Brüder Mekas in New York an. In einer Welt ohne sowjetische, ohne deutsche Erschießungskommandos. Würde bewahren durch das Lesen von Klassikern, das Schreiben von Gedichten, durch Klaglosigkeit. Das Heimweh in Worte fassen, die Welt mit einem dichterischen Blick betrachten, die Anmut der gewöhnlichen Dinge beschreiben und die Wärme der Kindheit und das bäuerliche Leben in Litauen erinnern, das bringen seine Tagebücher und die ‹Idyllen› in der eindrucksvollen Lesung von Michael Maertens, Schauspieler am Wiener Burgtheater, zum Ausdruck.
Der Geiger Michael Barenboim erfüllte sich einen Traum, als er vor wenigen Jahren an der Barenboim-Said Akademie das Nasmé Ensemble ins Leben rief: Musiker und Musikerinnen aus Palästina, die Kompositionen ihrer Heimat mit klassischer Kammermusik verbinden. Einen wundervollen Bogen zu Jonas Mekas schlägt das Ensemble mit der Musik von Antonín Dvořák, der wie Mekas auf dem Land aufgewachsen ist: ‹In diese Orte pflegte ich mit meinem Vater Rinder kaufen zu gehen›. Amin Nasser hat maßgeblich zur Entwicklung der klassischen Musik in Palästina beigetragen und war der erste Direktor des Edward Said National Conservatory of Music. Schumanns Märchenerzählungen sind ein heiterer Zyklus von vier Charakterstücken, teils träumerisch zart, teils mutwillig verwegen und chevaleresk. So wie Mekas einen Neuanfang in den USA suchte, so auch der in die USA emigrierte Béla Bartók. In ‹Kontraste› gelingt es ihm, die alte osteuropäische Musiktradition und die Neue Welt Amerika übereinanderzulegen.
Eintritt: 44 / 38 / 32 €, das gesamte Wochenende 170 / 145 €
Per E-Mail: [vianova@corvey.de]




