VIA NOVA Lesung Ulrich Noethen & Konzert
Sonntag 6. September 2026 11.00 Uhr, Schloss Corvey, Kaisersaal
Wie kann man von Freude erzählen
Korrespondenz-Lesung
Einführung: Nico Bleutge
Ulrich Noethen: Ursula K. Le Guin, Im Labyrinth
Konzert
Alban Gerhardt, Cello
Markus Becker, Klavier
Arvo Pärt (* 1935) Fratres
Leoš Janáček (1854 – 1928) Pohádka
Gabriel Fauré (1845 – 1924) Après un rêve
Robert Schumann (1810 – 1856) Fünf Stücke
im Volkston op. 102
Robert Schumann, Adagio und Allegro in As-Dur op. 70
Mit Pause
Nico Bleutge, Lyriker und Literaturkritiker, hat für diese Matinee Kurzgeschichten von Ursula K. Le Guin (1926 – 2018) ausgewählt. Sie war die große Zukunftsforscherin der US-amerikanischen Literatur. Schon in den 1960er Jahren entwarf sie Romane und Erzählungen, die aus der Ferne fremder Planeten einen umso schärferen Blick auf die Gegenwart unserer Erde werfen. Sie mögen Science Fiction nicht? Ursula K. Le Guin antwortet: ‹Ich mag fast alle Arten von Erzählliteratur. Aber zu den Eigenschaften, die mir in und an der Science Fiction gefallen, gehören unter anderem die folgenden: Lebendigkeit, Aufgeschlossenheit, Präzision der Phantasie; Verspieltheit, Vielfalt und Metaphernstärke; Freiheit von konventionellen literarischen Erwartungen und Manierismen; moralische Ernsthaftigkeit; Geist; Leidenschaft und Schönheit.› Und sie entwickelte eine ganz eigene Schreibidee. Ihre ‹Beuteltheorie› geht von einem nichtlinearen Schreiben aus, in dem statt Erzählsträngen immer neue Konstellationen aus Schleifen und Sprüngen entstehen, ‹in einem unermesslichen Sack, dem Bauch des Universums›. Es ist der besondere Blickwinkel, der in der heutigen Lesung von Ulrich Noethen fasziniert: ‹Die aus Omelas fortgehen› – wo liegt das fremde Land Omelas? Oder ist es gar kein fremdes Land, in dem die Bewohner glücklich sind, aber das eine unwürdige Gegenwelt kennt? Manche weinen über das Menschenleid, manche stumpfen ab, manche gehen fort und kehren nicht wieder. Die zweite Erzählung handelt von einem ‹schiffbrüchigen Fremdling›, der einer Person auf einem anderen Planeten die Welt erklären soll. ‹Was du von mir erbittest, hoher Herr, ist eindeutig unmöglich. Wie soll ein Mensch eine Welt beschreiben?› Der ‹schiffbrüchige Fremdling› findet doch noch eine Möglichkeit, von der Welt und den Menschen zu sprechen, von der Stille, der Musik, der Sterblichkeit und der Schönheit.
Für Alban Gerhardt und Markus Becker, zwei so spannende wir sensible Musiker, ist das heutige Programm ein Gespräch zwischen Musik und Text – ein gemeinsames Nachdenken über Wahrnehmung, Erinnerung und Verantwortung. Sie interessiert: Wie verhalten wir uns als Einzelne in einer Welt, die wir mit anderen teilen? Mit ‹Fratres› von Arvo Pärt betritt man einen Raum der Konzentration und der Stille, in dem sich Zeit zu verlangsamen scheint. Leoš Janáček öffnet dann mit ‹Pohádka› eine ganz andere Welt: eine Musik, die erzählt, sucht, innehält und immer wieder neu ansetzt. ‹Après un rêve› von Gabriel Fauré führt in einen schwebenden Zwischenzustand von Traum und Wirklichkeit. In Robert Schumanns Adagio und Allegro erlebt man den unmittelbaren Wechsel von Innigkeit und Aufbruch – als etwas zutiefst Menschliches. Die Stücke im Volkston führen zurück zu einer scheinbar einfachen, aber sehr direkten musikalischen Sprache.
Eintritt: 44 / 38 / 32 €, das gesamte Wochenende 155 / 130 €
Per E-Mail: [vianova@corvey.de]




