Ausstellungen

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Eine der bedeutendsten karolingischen Klostergründungen des mittelalterlichen Deutschlands war die Reichsabtei Corvey, darin vergleichbar mit Reichenau in Schwaben oder Fulda in Franken.

Die Überführung der Reliquien der Heiligen Stephanus und Vitus begründeten den Aufstieg Corveys. Das einzigartige Westwerk der Abteikirche gibt heute noch einen Eindruck von der Wichtigkeit und dem geistigen wie wirtschaftlichen Einfluss Corveys auf die Christianisierung Sachsens und Nordeuropas.

Der Besuch der heutigen Anlage erinnert nicht nur an die sog. karolingische Renaissance, sondern auch an die zahlreichen Besuche deutscher Kaiser.

Ausstellung im Bereich des Kreugang sowie des Corveyer Westwerks.

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Im Zeitalter des Barock kam Corvey zu einer weiteren Blüte. Mit dem Neubau der Abteikirche in den Jahren 1667 bis 1674 leitete Christoph Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster und damals Verwalter von Corvey, die größte Bauperiode ein, die das Stift bis 1740 erlebte.

Durch den Umbau der Anlage zu einer barocken Residenz erhielten die residierenden Fürstbischöfe die geeignete Kulisse zur Repräsentation. Es entstanden vorzügliche Stukkaturen, Deckenmalereien sowie eine kostbare Ausstattung der Abteikirche mit barockem Inventar.

Die ständige Ausstellung mit Exponaten aus dem Barockzeitalter sowie einem Geländemodell der barocken Anlage befindet sich im Ostflügel, 1. OG.

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Die Säkularisation im Jahre 1803 läutete eine durchgreifende Umwälzung der bestehenden Verhältnisse in Corvey ein, und das nicht nur macht-und territorialpolitisch, sondern auch kunst- und kulturgeschichtlich. Die Epoche des Biedermeier brachte eine neue Geschmacksrichtung. In Corvey begann der Landgraf von Hessen Rotenburg das gesamte Schloss im neuen Stil umzugestalten. Zeugnisse sind die Herzoglichen Salons und die Fürstliche Bibliothek sowie etliche Details an den Außenfassaden.

Ab 1825 wurde im Westflügel des Konventgebäudes eine Wohnung eingerichtet, für die französische Tapeten und Möbel aus hellem Eschen- und Kirschbaumholz im Stil des Biedermeier angeschafft wurden. Ab 1845 wurden diese Räume für die Bedürfnisse des Herzogs von Ratibor umgebaut. Bis in die frühen 50er Jahre des 20. Jahrhunderts nutzte die Herzogliche Familie diese Räume als ihre Wohnung.

Heute sind die im Stil des 19. Jahrhunderts erhaltenen Salons und der Kaisersaal, die zusammen im gesamten Westflügel eine eindrucksvolle Enfilade bilden, im Rahmen des Museumsbesuches zu besichtigen.

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Wichtigstes Zeugnis dieser Epoche ist die ca. 75.000 Bände umfassende fürstliche Bibliothek. Die Verpflichtung des Gelehrten Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar für Corvey durch das Haus Ratibor führte zur Entstehung einer der wichtigsten Privatbibliotheken des 19. Jahrhunderts mit u.a. Literatur in deutscher, englischer und französischer Sprache. Durch Hoffmanns weitreichende Kontakte entstanden vielfältige Beziehungen zum Weimarer Hof und zu Persönlichkeiten wie Franz Liszt und Richard Wagner. Die herzoglichen Salons geben einen Einblick in das damalige Privatleben der Herzöge und das Umfeld des Dichters.

Die Fürstliche Bibliothek ist im Rahmen des Museumsbesuchs in Corvey zu besichtigen. Sie erstreckt sich über 15 Säle im 1.OG des Nordflügel.

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Der frühmittelalterliche Siedlungskern „villa Huxori”, der als sächsischer Adelshof bzw. karolingischer Königshof bezeichnet werden kann, wird erstmals 822 im Zuge der Gründung Corveys erwähnt.

Eine Zeitspanne von rund 1.000 Jahren Stadtgeschichte vom 9. Jahrhundert bis in die Zeit um 1750 wird so durch ausgewählte Stationen gezeigt. Die Ausstellung lädt den Besucher zu einer Zeitreise ein und zeigt damit Höxter sowohl zu Blüte- als auch zu Krisenzeiten.

Zwei Transportmittel stehen symbolisch für das Reisen und somit für die Zeitreise durch die Geschichte: Ein Fernhandelswagen und ein Weserkahn. Sie haben auf ihrer Reise auf dem Hellweg, der wichtigen Fernhandelsroute, und auf der Weser die Entwicklung Höxters maßgeblich bestimmt.

Die Ausstellung ist im 2.OG des Westflügels zu besichtigen.

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BRASILIANISCHE REISE 1817-1820

Carl Friedrich von Martius, Johann Baptist von Spix, Naturforscher aus Franken

Die Fürstliche Bibliothek Corvey verfügt über einen ungewöhnlichen Buchbestand: es sind die nahezu vollständigen und prachtvoll ausgestatteten Werke der fränkischen Naturforscher Carl Friedrich von Martius und Johann Baptist von Spix. Beide sind in der breiten Bevölkerung nahezu unbekannt geblieben, nicht aber in der entsprechenden Fachwelt. Immerhin stehen beide ganz in der Tradition ihres Zeitgenossen Alexander von Humboldt und müssen ihre Reisen mit den umfangreichen Forschungsergebnissen und Publikationen keineswegs vor denen ihres weltbekannten Kollegen aus Berlin verstecken.

Johann Baptist Ritter von Spix wurde am 9. Februar 1781 in Höchstadt an der Aisch geboren und starb am 13. Mai 1826 in München. Spix studierte zunächst in Bamberg und Würzburg Philosophie und Theologie, wandte sich aber schon bald der Zoologie zu, die fortan der Mittelpunkt seiner Forschungen und mithin seines ganzen Lebens werden sollte.

Sein Mitstreiter und Gefährte Carl Friedrich von Martius wurde am 17. April 1794 in Erlangen geboren und starb am 13. Dezember 1868 ebenfalls in München. Als Sohn eines Apothekers nahm er zunächst das Studium der Medizin in Erlangen auf und wandte sich angeregt durch seine Kommilitonen bald der Botanik zu. Im Jahre 1813 promovierte er zum Doktor der Naturwissenschaften und veröffentlichte sein erstes botanisches Werk, die Flora cryptogamica Erlangensis, eine Beschreibung der Pflanzenwelt in und um Erlangen, die in der Fachwelt große Aufmerksamkeit erregte.Im Auftrag von König Maximilian I. Joseph reisten Martius und Spix von 1817 bis 1820 durch das noch weitgehend unerforschte Brasilien und erreichten auch das unwegsame Amazonasgebiet. Nach ihrer Rückkehr veröffentlichten sie ihre Forschungsergebnisse in umfangreichen Werken.

Auf ihrer Expedition legten die Naturforscher aus Franken beachtliche Entfernungen zurück. Brasilien war immerhin um 1820 noch eine fremde Welt zwischen Stechmücken, korrupten Diamantenschürfern, Fieberanfällen und Menschenhändlern. Ihre beschwerlichen Wegstrecken bewältigten sie ohne genaues Kartenmaterial, aber immer mit Frack und Zylinder. Die Vorgehensweise war unkonventionell, Papageien wurden gefangen und präpariert. Aufgezeichnet und beschrieben wurde alles, was sie entdeckten, die Pflanzen- und Tierwelt, die Bewohner des Urwaldes mit ihren Gebräuchen und Gesängen.

Nach ihrer Rückkehr begannen Martius und Spix ihre Forschungsreise nach Brasilien in einem umfassenden wissenschaftlichen Werk aufzuarbeiten. Zwischen 1823 und 1831 publizierten sie ihren Bericht in drei Bänden und einem Atlas mit eindrucksvollen Abbildungen: Reise in Brasilien mit insgesamt fast 1.500 Seiten. In der Verbindung von ganzheitlich-wissenschaftlicher Annäherung an die zu erforschenden Kulturen und ihrer ästhetischen Betrachtung erreichte das Gemeinschaftswerk der beiden Forscher Humboldt’sches Format, so das Urteil der wissenschaftlichen Fachwelt der Zeit.

Im Geburtshaus von Johann Baptist von Spix in Höchstadt an der Aisch wurde unlängst ein sehenswertes Museum eingerichtet, in dem der Geist des berühmtesten Sohnes der Stadt fast greifbar ist. Spektakulär war auch die erst kürzlich erfolgte Auswilderung des „Spix-Ara“ (Ara hyacinthinus) in Brasilien, einer von Spix entdeckten und beschriebenen, nahezu ausgestorbenen Papageien-Art.

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Fürstliche Bibliothek Corvey

bis 1. November 2021

Carl Friedrich von Martius

Johann Baptist von Spix

Naturforscher aus Franken

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Der Sohn des Bibliothekars

Franz Hoffmann von Fallersleben, Maler in Corvey (1855-1927)

Als der bereits 62-jährige August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) am 1. Mai 1860 die Stelle als Bibliothekar des Herzogs von Ratibor in Corvey antrat, war sein Sohn Franz gerade einmal fünf Jahre alt. Die Mutter wurde kurz nach dem Umzug von einem toten Kind entbunden und starb im Kindbett. In seiner Verzweiflung schrieb Hoffmann an den Herzog von Ratibor: „Unser Leid ist gränzenlos und ich bleibe damit ich mit ihr im Tode vereint werde.“

So blieb Hoffmann von Fallersleben mit seinem kleinen Sohn Franz allein in Corvey zurück und war ihm bis zu seinem Tod stets ein fördernder und besorgter Vater. Franz besuchte ab 1867 die Gymnasien in Höxter, Helmstedt und Holzminden, was ihn wieder zurück in die Nähe des Vaters führte. Dieser vermittelte dem Sohn schon früh seine Liebe zu Corvey, was sich zweifellos in den regionalen Motiven der Bilder des Malers Franz Hoffmann-Fallersleben widerspiegelte.

Nach der Gymnasialzeit äußerte Franz schließlich den Wunsch, die Malerei zu seinem Beruf zu machen. Der Vater stimmte ohne Bedenken zu und reiste im Jahre 1873 persönlich nach Düsseldorf, um den nun achtzehnjährigen Sohn an der Malerakademie anzumelden. Die Künstlerkarriere von Franz erlebte der alte Hoffmann nicht mehr, denn als der Vater nur wenige Monate später, am 20. Januar 1874 in Corvey starb, wechselte der junge Kunststudent an die Kunstschule in Weimar.

Franz Hoffmann-Fallersleben erhielt eine profunde Ausbildung in der Landschaftsmalerei, die neben der Arbeit im Atelier das Malen unter freiem Himmel erforderte. Nach sechs Jahren künstlerischen Schaffens in Weimar zog es Hoffmann im Jahre 1888 in die Metropole Berlin. Mit dieser Entscheidung ging eine stetige und beständige Schaffensperiode einher. Seine Tätigkeit im Atelier wurde nur durch ausgedehnte Studienreisen ins In- und Ausland ergänzt.

In den letzten Lebensjahren zog es den Künstler immer häufiger nach Corvey zurück. Hier, wo er seine Jugendjahre verbracht hatte und wo seine Eltern begraben sind, malte er immer wieder die ihm vertrauten Motive um Schloss Corvey. Es sind die stille Weite der Weserlandschaft und die von rotem Weinlaub umrankten Türme und Mauern, die er in der ihm eigenen Manier stimmungsvoll festhielt. Letztmalig war Franz Hoffmann-Fallersleben im Jahre 1924 in Corvey. Er starb am 15. Mai 1927 im Alter von 72 Jahren in Berlin und wurde in seiner Geburtsstadt Weimar beigesetzt.

Franz Hoffmann-Fallersleben ist ein bedeutender Vertreter der „Düsseldorfer Malerschule“ und gilt als Maler deutscher Landschaft und Geschichte, der das Werk seines Vaters statt mit der Dichterfeder mit dem Malerpinsel fortsetzte. Studienreisen führten ihn ins Riesengebirge, an die norddeutschen Küsten, in die Lüneburger Heide, ebenso nach Dänemark und sowie in das antike Rom. Das Spontane und Ausschnitthafte der Freilichtstudien übertrug er auch auf seine Atelierarbeiten.

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Alte Bibliothek und Kabinett

27. März bis 1. November 2021