Ausstellungen

Ausstellungen

Besuchen Sie eine unserer Dauersausstellungen in Corvey oder entdecken Sie unsere aktuelle Sonderausstellung.

P1000185

Eine der bedeutendsten karolingischen Klostergründungen des mittelalterlichen Deutschlands war die Reichsabtei Corvey, darin vergleichbar mit Reichenau in Schwaben oder Fulda in Franken.

Die Überführung der Reliquien der Heiligen Stephanus und Vitus begründeten den Aufstieg Corveys. Das einzigartige Westwerk der Abteikirche gibt heute noch einen Eindruck von der Wichtigkeit und dem geistigen wie wirtschaftlichen Einfluss Corveys auf die Christianisierung Sachsens und Nordeuropas.

Der Besuch der heutigen Anlage erinnert nicht nur an die sog. karolingische Renaissance, sondern auch an die zahlreichen Besuche deutscher Kaiser.

Ausstellung im Bereich des Kreugang sowie des Corveyer Westwerks.

02-Kaisersaal_DSC7494_klein

Im Zeitalter des Barock kam Corvey zu einer weiteren Blüte. Mit dem Neubau der Abteikirche in den Jahren 1667 bis 1674 leitete Christoph Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster und damals Verwalter von Corvey, die größte Bauperiode ein, die das Stift bis 1740 erlebte.

Durch den Umbau der Anlage zu einer barocken Residenz erhielten die residierenden Fürstbischöfe die geeignete Kulisse zur Repräsentation. Es entstanden vorzügliche Stukkaturen, Deckenmalereien sowie eine kostbare Ausstattung der Abteikirche mit barockem Inventar.

Die ständige Ausstellung mit Exponaten aus dem Barockzeitalter sowie einem Geländemodell der barocken Anlage befindet sich im Ostflügel, 1. OG.

11-Fürstl. Gemächer 047_DSC4493

Die Säkularisation im Jahre 1803 läutete eine durchgreifende Umwälzung der bestehenden Verhältnisse in Corvey ein, und das nicht nur macht-und territorialpolitisch, sondern auch kunst- und kulturgeschichtlich. Die Epoche des Biedermeier brachte eine neue Geschmacksrichtung. In Corvey begann der Landgraf von Hessen Rotenburg das gesamte Schloss im neuen Stil umzugestalten. Zeugnisse sind die Herzoglichen Salons und die Fürstliche Bibliothek sowie etliche Details an den Außenfassaden.

Ab 1825 wurde im Westflügel des Konventgebäudes eine Wohnung eingerichtet, für die französische Tapeten und Möbel aus hellem Eschen- und Kirschbaumholz im Stil des Biedermeier angeschafft wurden. Ab 1845 wurden diese Räume für die Bedürfnisse des Herzogs von Ratibor umgebaut. Bis in die frühen 50er Jahre des 20. Jahrhunderts nutzte die Herzogliche Familie diese Räume als ihre Wohnung.

Heute sind die im Stil des 19. Jahrhunderts erhaltenen Salons und der Kaisersaal, die zusammen im gesamten Westflügel eine eindrucksvolle Enfilade bilden, im Rahmen des Museumsbesuches zu besichtigen.

Corvey 02

Wichtigstes Zeugnis dieser Epoche ist die ca. 75.000 Bände umfassende fürstliche Bibliothek. Die Verpflichtung des Gelehrten Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar für Corvey durch das Haus Ratibor führte zur Entstehung einer der wichtigsten Privatbibliotheken des 19. Jahrhunderts mit u.a. Literatur in deutscher, englischer und französischer Sprache. Durch Hoffmanns weitreichende Kontakte entstanden vielfältige Beziehungen zum Weimarer Hof und zu Persönlichkeiten wie Franz Liszt und Richard Wagner. Die herzoglichen Salons geben einen Einblick in das damalige Privatleben der Herzöge und das Umfeld des Dichters.

Die Fürstliche Bibliothek ist im Rahmen des Museumsbesuchs in Corvey zu besichtigen. Sie erstreckt sich über 15 Säle im 1.OG des Nordflügel.

zahnbrecher

Der frühmittelalterliche Siedlungskern „villa Huxori”, der als sächsischer Adelshof bzw. karolingischer Königshof bezeichnet werden kann, wird erstmals 822 im Zuge der Gründung Corveys erwähnt.

Eine Zeitspanne von rund 1.000 Jahren Stadtgeschichte vom 9. Jahrhundert bis in die Zeit um 1750 wird so durch ausgewählte Stationen gezeigt. Die Ausstellung lädt den Besucher zu einer Zeitreise ein und zeigt damit Höxter sowohl zu Blüte- als auch zu Krisenzeiten.

Zwei Transportmittel stehen symbolisch für das Reisen und somit für die Zeitreise durch die Geschichte: Ein Fernhandelswagen und ein Weserkahn. Sie haben auf ihrer Reise auf dem Hellweg, der wichtigen Fernhandelsroute, und auf der Weser die Entwicklung Höxters maßgeblich bestimmt.

Die Ausstellung ist im 2.OG des Westflügels zu besichtigen.

A20-19

Die Fürstliche Bibliothek Corvey verfügt über einen ungewöhnlichen Buchbestand: es sind die nahezu vollständigen und prachtvoll ausgestatteten Werke der fränkischen Naturforscher Carl Friedrich von Martius und Johann Baptist von Spix. Beide sind in der breiten Bevölkerung nahezu unbekannt geblieben, nicht aber in der entsprechenden Fachwelt. Immerhin stehen beide ganz in der Tradition ihres Zeitgenossen Alexander von Humboldt und müssen ihre Reisen mit den umfangreichen Forschungsergebnissen und Publikationen keineswegs vor denen ihres weltbekannten Kollegen aus Berlin verstecken.

Johann Baptist Ritter von Spix wurde am 9. Februar 1781 in Höchstadt an der Aisch geboren und starb am 13. Mai 1826 in München. Spix studierte zunächst in Bamberg und Würzburg Philosophie und Theologie, wandte sich aber schon bald der Zoologie zu, die fortan der Mittelpunkt seiner Forschungen und mithin seines ganzen Lebens werden sollte.

Sein Mitstreiter und Gefährte Carl Friedrich von Martius wurde am 17. April 1794 in Erlangen geboren und starb am 13. Dezember 1868 ebenfalls in München. Als Sohn eines Apothekers nahm er zunächst das Studium der Medizin in Erlangen auf und wandte sich angeregt durch seine Kommilitonen bald der Botanik zu. Im Jahre 1813 promovierte er zum Doktor der Naturwissenschaften und veröffentlichte sein erstes botanisches Werk, die Flora cryptogamica Erlangensis, eine Beschreibung der Pflanzenwelt in und um Erlangen, die in der Fachwelt große Aufmerksamkeit erregte.

Im Auftrag von König Maximilian I. Joseph reisten Martius und Spix von 1817 bis 1820 durch das noch weitgehend unerforschte Brasilien und erreichten auch das unwegsame Amazonasgebiet. Nach ihrer Rückkehr veröffentlichten sie ihre Forschungsergebnisse in umfangreichen Werken.

Auf ihrer Expedition legten die Naturforscher aus Franken beachtliche Entfernungen zurück. Brasilien war immerhin um 1820 noch eine fremde Welt zwischen Stechmücken, korrupten Diamantenschürfern, Fieberanfällen und Menschenhändlern. Ihre beschwerlichen Wegstrecken bewältigten sie ohne genaues Kartenmaterial, aber immer mit Frack und Zylinder. Die Vorgehensweise war unkonventionell, Papageien wurden gefangen und präpariert. Aufgezeichnet und beschrieben wurde alles, was sie entdeckten, die Pflanzen- und Tierwelt, die Bewohner des Urwaldes mit ihren Gebräuchen und Gesängen.

Nach ihrer Rückkehr begannen Martius und Spix ihre Forschungsreise nach Brasilien in einem umfassenden wissenschaftlichen Werk aufzuarbeiten. Zwischen 1823 und 1831 publizierten sie ihren Bericht in drei Bänden und einem Atlas mit eindrucksvollen Abbildungen: Reise in Brasilien mit insgesamt fast 1.500 Seiten. In der Verbindung von ganzheitlich-wissenschaftlicher Annäherung an die zu erforschenden Kulturen und ihrer ästhetischen Betrachtung erreichte das Gemeinschaftswerk der beiden Forscher Humboldt’sches Format, so das Urteil der wissenschaftlichen Fachwelt der Zeit.

Im Geburtshaus von Johann Baptist von Spix in Höchstadt an der Aisch wurde unlängst ein sehenswertes Museum eingerichtet, in dem der Geist des berühmtesten Sohnes der Stadt fast greifbar ist. Spektakulär war auch die erst kürzlich erfolgte Auswilderung des „Spix-Ara“ (Ara hyacinthinus) in Brasilien, einer von Spix entdeckten und beschriebenen, nahezu ausgestorbenen Papageien-Art.

Fürstliche Bibliothek Corvey

bis 1. November 2021

Carl Friedrich von Martius

Johann Baptist von Spix

Naturforscher aus Franken