VIA NOVA – Kunstfest Corvey 2021

VIA NOVA – Kunstfest Corvey 2021

Die Erde ist ein Sänger. Odysseen

Das Via Nova Kunstfest Corvey 2021 findet an drei Wochenenden vom 27.8. – 26.9. 2021 statt. Für die Ernennung zum UNESCO-Welterbe haben auch die einzigartigen Wandmalereien im karolingischen Westwerk des ehemaligen Benediktinerklosters entscheidend beigetragen. Eines der Motive zitiert eine Szenerie aus Homers Odyssee: Odysseus im Kampf mit der Skylla. Was macht der antike Odysseus in einer christlichen Kirche, und wie kommt die Odyssee an den Weserstrand?

Dieser Frage werden unter anderen die Schauspieler Edgar Selge, Boris Aljinovic, Corinna Harfouch, Jens Harzer, Musiker unter ihnen Carolin Widmann, Akademie für Alte Musik Berlin, Mitglieder der Berliner Philharmoniker, Autoren wie Navid Kermani, Ulrike Draesner, Christoph Ransmayr und die Wissenschaftler Harald Leppin, Jonas Grethlein und Konrad Paul Liessmann nachgehen. Es gibt eine Aufführung der Odyssee für Kinder und ihre Familien, einen Schnupperkurs Altgriechisch für Jugendliche, ein Kammerballett mit Mitgliedern des Royal Danish Ballet Kopenhagen als Uraufführung und einen Theaterabend ‹Odyssee over Europe› des griechischen Regisseurs KarazisisAkillas, ebenfalls eine Arbeit speziell für das Kunstfest.

Der Mythos Odyssee, der auf Unsicherheit, Gefahren, aber auch auf den zielgerichteten Weg in eineferne, gewandelte Zukunft gegründet ist, bestimmt das Bildprogramm im Johannischor von Corvey.‹Die Erde ist ein Sänger. Odysseen› ist eine Paraphrase des klassischen Textes – sie ermöglicht, elementaren gegenwärtigen Erfahrungen künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Im Mittelpunkt derVeranstaltungsfolge (27.8. – 29.8., 10.9. – 12.9. und 24.9. bis 26.9.2021) mit literarischen Recherchen und Auftragsarbeiten, in inszenierten Lesungen, Musik-, Theater- und Ballettaufführungen sowie in Vorträgen stehen drei Aspekte: Wer verstehen will, muß entdecken: So wie Odysseus wißbegierig die Meere bereist. Erlebnisse werden zu Erfahrungen, Erfahrungen zu Erkenntnissen. Den Weg nicht vergessen, die Form des Schicksals: So wie Odysseus nicht vergessen darf, er darf das Gedächtnis nicht verlieren. Vergangenheit und Zukunft erzählen: Erinnerung zählt nur, wenn sie die Spur der Vergangenheit und den Plan der Zukunft zusammenhält – so wie in der transformierten Odysseus-Darstellung im Westwerk, so wie Odysseus bei Homer verändert in Ithaka ankommt.

Die Schriftsteller Navid Kermani, Esther Kinsky, Aris Fioretos wurden eingeladen, einen neuen Text zu einem der Aspekte zu schreiben.

‹Die Erde ist ein Sänger. Odysseen› ist vielstimmig und vereint verschiedene Künste und künstlerische Ausdrucksformen. Internationale Positionen aus Europa kommen zu Wort, ebenso außereuropäische Perspektiven. Die europäischen Stimmen kommen aus Griechenland, Italien, Österreich, Dänemark, Schweden und der Schweiz. Außereuropäische Perspektiven zeigen die Zugvogelmusiker aus vielen Ländern auf, in der Lesung aus dem Werk des Nobelpreisträgers Derek Walcott (Karibik) wird eine schwarze Odyssee erzählt. Mit Michael Köhlmeier und Christoph Ransmayr sind zwei singuläre Stimmen zu hören, die über Herkunft und Aufbruch schreiben. Aneignungen und Verwandlungen des Odyssee-Stoffes sind in den Lesungen von Ilma Rakusa, Barbara Köhler, Stefano d’Arrigo zu hören. Ein literarisch-musikalischer Abend ist Erzählungen vom Warten gewidmet.

Vielstimmig sind die musikalischen Darbietungen, die von einer Laterna Magica-Performance, klassischer Neuer Musik, Barock- und Renaissancemusik über Jazz zu folkloristischer Avantgarde reichen. Es treten dabei zu den oben genannten Musikern die Lautten-Compagney, Detmolder Kammerorchester, Alfredo Perl, Sokratis Sinopoulos Quartet, Trio Vitruvi, Barry Guy und Maya Homburger, Mike Svoboda, Dine Doneff und Maria Dafka sowie das Duo Gazzana auf. Lesungen aus den homerischen Gesängen werden mit Literatur der Gegenwart verbunden, mit Theater, das von Verlusten und dem Verloren-Sein spricht, mit Oper und Figurenspiel der Taschenoper Lübeck fürFamilien. In den Vorträgen, Gesprächen und Führungen im Westwerk akzentuieren Wissenschaftler den Kulturtransfer von der Antike ins Christentum, beleuchten den vielgewandten Odysseus und betrachten Homers Erzählkunst. Die Ausstellung ‹Seefarer› von Ute Langanky und Thomas Kling widmet sich dem Meer als Urgewalt und als Ort unserer Herkunft und stellt eines der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts aus: Homers Odyssee der Cranach-Presse. Das ausführliche Programm erscheint Ende Mai und kann unter www.corvey.de bestellt werden. Kartenwünsche können unter veranstaltungen@corvey.de vorgemerkt werden.

Informationen

 

Dr. Brigitte Labs-Ehlert, Künstlerische Leitung

Tel: 05284 / 9439473

[E-Mail]

Thomas Trappmann, Kartenbüro

Tel. +49(0)5231 570150

[E-Mail]